Pro Woche rufen bestimmt drei Telefonverkäufer an, welche uns Toner, Glühbirnen oder anderen Bürobedarf verkaufen wollen… meist sind sie schnell abgewimmelt, meist ohne Widerstand, manchmal mit etwas mehr Bestimmtheit meinerseits. Doch normalerweise halten sich alle Anrufer an die Sitten und Anstandsregeln unserer Gesellschaft.

Doch letzte Woche erlebte ich was ziemlich Freches. Da rief mich ein Herr B. von einer «Swiss Print Group» (stimmt gem. Telefonbuch) an und tischte mir eine Geschichte auf, die mich rasch stutzig machte. Die Universität St. Gallen habe sich mit neuen Druckern und Kopiergeräten auf Mietbasis ausgestattet und darum hätten sie nun einen halben Jahresbedarf an Tonern für verschiedene Geräte vorrätig. In Absprache mit der Uni dürfe er nun diese Toner zum halben Preis an St. Galler Firmen verkaufen.

Ich hakte nach um zu erfahren, welcher Ansprechpartner von der Universität für diese Abverkaufsaktion zuständig sei. Der Herr am anderen Ende war überrascht, meinte zuerst, er könne doch nicht einfach die Namen preisgeben. Als ich nicht locker liess wollte er mir den Namen der Kontaktperson per Mail zusenden… meine Vermutung, dass nie eine entsprechende Mail eingehen wird, bestätigte sich.

Am selben Nachmittag kontaktierte ich die Universität und schon bald hatte ich die für den Verbrauchsmaterialeinkauf zuständige Dame am Draht. Sie konnte es nicht fassen, was ich ihr da berichtete. Sie bestätigte, dass die vom Verkäufer aufgetischte Geschichte zweifelsfrei schlicht und einfach unwahr sei.

Da scheint also eine Firma – oder lass es einfach ein übereifriger Verkaufsagent sein – die Reputation einer öffentlichen Institution für ihre Verkaufsaktivitäten zu missbrauchen.

Leute, so geht das doch einfach nicht! Tztztz…

Die ganze Geschichte hatte aber auch noch was Positives: Ich kam bei den telefonischen Abklärungen mit der Uni mit einem ehemaligen Arbeitskollegen in Kontakt, welchen ich schon Jahre lang nicht mehr gesehen und gehört hatte. Es folgte denn auch ein Schwelgen in Erinnerungen an die guten alten Zeiten der Computerpioniere… ;-)

 

Updated 17.05.2011:

Wenige Tage nach diesem Blogeintrag erhielt ich ein freundliches Mail von Massimiliano Salerno, dem Geschäftsführer der «Swiss Print Group AG». Im darauf folgenden Telefongespräch erkundigte er sich nach den Details des beschriebenen Vorfalls, bestätigte dabei ausdrücklich, dass die Behauptung seines Mitarbeiters, sie würden mit der Universität St. Gallen zusammenarbeiten, unwahr sei und entschuldigte sich hierfür.

Fehler einzugestehen und die Verantwortung zu tragen erachte ich keineswegs als selbstverständlich. Ich bat ihn deswegen um eine schriftliche Stellungsnahme, welche ich an dieser Stelle nun gerne veröffentlichen will:

Guten Tag Herr Huwiler

wie gestern telefonisch besprochen sende ich Ihnen via email unser Statement zur Klärung des Blogeintrages auf http://blog.huwi.ch betreffend unser Unternehmen Swiss Print Group.

Wir sind eine B2B Handelsfirma im Bereich Konsumgüter für den täglichen und administrativen Bedarf in Klein- und Grossunternehmen. Eine unserer Produktgruppen deckt den Toner- und Patronenmarkt auf nationaler Ebene ab.

Gezielte regionale Projekte mit verschiedenen Berufsbildungszentren und Verwaltungen geben uns zusätzlich die Möglichkeit die Distribution von Toner- und Druckerpatronen an alle regionale Unternehmen via Tele-Marketing anzugehen.

Somit ist die Uni St. Gallen für uns auch ein potentieller Kunde, den wir heute jedoch „noch“ nicht als Kunde definieren dürfen, da noch keine offizielle Bestellung von der Uni St. Gallen bei uns eingegangen ist. Unser Tele-Marketing Mitarbeiter, Herr B, hätte somit nur die oben erwähnten Projekte im Bereich Berufsbildungszentren im Allgemeinen erwähnen sollen und nicht direkt die Uni St. Gallen. Wir nehmen unsere Arbeit und unsere Kunden sehr ernst und sind heute damit eine Erfahrung reicher geworden, Danke!

Es freut uns hiermit unser Unternehmen Swiss Print Group wieder in das richtige Licht gebracht zu haben und stehen Ihnen für weitere Fragen und Anregungen jederzeit zur Verfügung.

Happy day
Massimiliano Salerno

Updated 23.06.2011:

Es scheint, dass da doch noch was im Busch ist. So kriege ich ab und an per Mail oder in den Kommentaren klare Hinweise dazu, dass das Erlebte kein Einzelfall sei. Zudem hatte sich heute auch noch die Redaktion der «Südostschweiz» bei mir gemeldet, da diese an einer Recherche zum Thema arbeiten und dabei über meinen Blog stolperten.

Ich bin sehr gespannt, was da alles noch so für Wortmeldungen kommen werden…

Update 04.07.2011:

Die Südostschweiz hat inzwischen auch darüber berichtet: «Selbst der Toner soll nun regional sein.» In diesem Artikel wird unter anderem geschildert, dass die Firma «Swiss Print Group AG» amtlich gar nicht existiere.