Donnerstag , 18 September 2014
Von Ella nach Nanu-Oya – Flitterwochen in Sri Lanka – Tag 5

Von Ella nach Nanu-Oya – Flitterwochen in Sri Lanka – Tag 5

Unsere heutige Etappe führte vom Bergdorf Ella nach Kandy. Nach dem etwas schwierigen Start, zeigte sich der neue Tag von seiner angenehmeren Seite.

 

Als wir von den Hupsignalen des vorbeifahrenden Zuges geweckt wurden, durften wir die paradiesische Aussicht aus unserem Zimmer geniessen und einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben. Mein Schlaf war in kleine Etappen unterteilt, ein Brett mit Matratze ist nicht jedermanns Sache :-) … immerhin konnte Gabi tief und fest in ihren Träumen versinken.

 

Treppenstegen als Morgentraining

 

Nach dem Frühstück fuhr uns Jagoda zum Berg «Little Adams Peak». Wir staunten, welche rumpeligen Schottersteinsträsschen er mit seinem VAN empor fuhr, um uns möglichst nah an den Fuss des Berges zu bringen. Wir hatten uns eigentlich eine kleine Wanderung ausgemalt, doch es wurde dann nur ein kurzer, schöner, aber nicht minder strenger Treppenaufstieg zum Gipfel.

 

Auf dem Talweg spürte ich ein dringendes Verlangen und als wir beim Wagen eintrafen, bat ich Jagoda, uns zu einem Lokal mit Toilette zu fahren. Obwohl im Ort Ella viele Touristenrestaurats existierten, schien er unseren gestrigen Wunsch erkannt zu haben, und führte uns in ein kleines, einheimisches Lokal, ganz in der Nähe des Berges. Das stimmte uns doch schon mal sehr zuversichtlich.

 

Mit der Bahn nach Nanu-Oya

 

Beim kleinen, schmucken Bahnhof lösten wir unsere Tickets für die rund dreistündige Bahnfahrt. Wir hatten die Wahl: 3. Klasse für 70 Rupien, 2. Klasse für 110 Rupien (etwa einen Franken) oder 790 Rupien für die erste Klasse, inmitten von Mengen von Engländern. Klar, dass wir letzteres nicht suchten, und entschieden uns für die zweite Klasse.

 

Die Fahrt war wirklich ein tolles Erlebnis. In den drei Stunden legten wir zwar nur eine Luftlinien-Distanz von etwa 35 Kilometern zurück, doch die Eindrücke waren abwechslungsreich. Der Wagon erinnerte uns stark an vergangene Zeiten, als wären die grünen SBB-Wagons unserer Kindheit noch heute im Einsatz. Die Sitze waren durchgesessen, die Lehnen abgegriffen oder gar nicht mehr vorhanden, zeigten offen ihr Innenleben. Drei dreckige Ventilatoren reckten von der Decke und sollten für etwas frischen Wind sorgen… wir waren erstaunt, dass sie (zumindestens zwei der drei) überhaupt funktionierten.

 

Bei jedem Halt stiegen neue Verkäufer ein, welche mit eingängigem Singsang ihre einheimischen Zwischenmahlzeiten, zum Teil warm, anpriesen. Zuerst waren wir noch etwas unsicher, doch der Mut kam schnell und wir streckten 20 Rupien hin, schauten, was wir dafür erhielten. Es waren leckere, frittierte Bällchen aus Mais, Gewürzen, Zwiebeln und etwas Curry, ausgehändigt in einer ordentlich selbst produzierten Verkaufstüte aus alten Zeitungen. Später wagten wir es bei einem anderen Anbieter erneut und knabberten dann geröstete Nüsse, Knoblauchscheiben, Chilischoten und Kräuter. Das Ganze gut gewürzt…

 

Besuch in der «Bebabrib»

 

Nach dieser hochalpinen Bahnfahrt – der höchst gelegene Bahnhof lag auf 2011 Metern über Meer – wurden wir von unserem Guide in Nanu-Oya abgeholt. So langsam aber sicher begannen wir, seinen Slang zu verstehen. Wir erkannten, dass einige Konsonanten wir S, K und F irgendwie mit einer Art «B» ausgetauscht wurden. Dennoch brauchte es einige Anläufe, bis wir verstanden, was unser nächstes Ziel war: Eine «Bebabrib» namens «Blue Field Tea».

 

Eine sehr hübsche, zufrieden strahlende Muslimin führte uns durch den Betrieb und hatte sichtlich Freude an ihrer Aufgabe. Wir erfuhren, dass Grün- und Schwarztee aus derselben Pflanze, Whitetea jedoch aus einer anderen Pflanze gemacht wird. Der Duft in dieser Manufaktur war himmlich, erinnerte an ein Heublumenbad im Wellnessbereich.

 

Einige Kilometer vor unserem Tagesziel Kandy sprang mir auf dem GPS ein Cache ins Auge. Er sollte an einem für Touristen nicht einfach zu entdeckenden Ort versteckt sein. Lokale Assistenz sei empfehlenswert, verkündete die Beschreibung.

 

Jagoda zeigte eine dezente, aber spürbare Form von Entdeckergeist und fragte sich durchs Dorf («the key to my cache is in inquirry my name»), als wir noch knapp 300 Meter entfernt waren. Doch das Problem war, dass die OpenStreetMap hier ziemlich unvollständig war und wir nicht erkannten, dass parallel zu unserer Strasse eine Bergstrasse hochfuhr. Ein Einheimischer half uns aber mit dem entscheidenden Tipp weiter.

 

So standen wir nun vor dem roten Briefkasten, der den Cache beheimatete, öffneten ihn, trugen uns ein und steckten unsere Köpfe in die Tür des Hauses, wie es uns in der Beschreibung empfohlen worde.

 

Eine kleine, alte einheimische Frau begrüsste uns voller Freude und hielt Gabi dabei die ganze Zeit streichelnd den Arm. Ihr Enkel habe den Cache versteckt, doch er sei gerade mit seiner Mutter in Kandy. Als wir eine Schokolade zum Gruss hinterliessen, strahlte sie und wollte uns kaum mehr loslassen. Morgen würde Nuwam (der Cache-Owner) uns anrufen, damit wir ihn dann kennenlernen können… so verabschiedeten wir uns und nahmen die letzten paar Kilometer in Angriff.

 

«Gohomadda» im Hotel Suisse

 

Ein riesiger Palast stand uns vor den Füssen. Wow! Definitiv ein paar Klassen edler als die gestrige Übernachtungsörtlichkeit. Ein geräumiges Zimmer mit einem grossen Bett wartete auf uns. Frisch geduscht verwarfen wir unseren Plan, am Abend Kandy entdecken zu wollen, stattdessen fanden wir uns im einladenden Hotelgarten zum Essen ein. Ein riesiges Buffet begeisterte uns. Beim ersten Anblick dachten wir noch, dass müsse unbezahlbar sein, doch Kellner «Silar» nahm uns diese Befürchtung, als er uns den Preis nannte: 1200 Rupien… knapp 10 Franken pro Person.

 

Plötzlich waren wir also extrem hungrig und wurden auch nicht enttäuscht. Das Essen war lecker und vielseitig. Vier «Srilankesische Mexikaner-Musiker» begleiteten unser Dîner bis unsere «Tanzfüddli» juckten und nicht mehr sitzenbleiben konnten. Ach war das toll! (Und wir amüsierten uns ob den vielen steifen, distinguierten Engländern, welche bestimmt auch aus sich herausbrechen hätten wollen…)

 

 

Daniela Cappelletta gefällt dieser Artikel

3 Kommentare

  1. hey michael, sinder no döt? gönd unbedingt d ostküste duruf, jetzt chame endlich au döt ane go… i bi scho 3 mal in sri lanka gsi, aber no nie im nordoste. mües mega schön si döt…
    und… han mega heiweh/fernweh übercho bim läse vo dine blog-iträg. gnüsseds, suuged alles i eu uf… aaaahhh, wett grad au!! liebe gruess