Gewisse Vorurteile und Klischees sind nicht wegzudiskutieren. Und wenn auch mein Herz bei der diesjährigen Europameisterschaft nicht gerade für unsere deutschen Nachbarn schlug, so erfreute ich mich heute an deren herzlichen Gastfreundschaft. Auf der Dachterasse unseres Mutterhauses in München genoss ich mit Arbeitskollegen verschiedenster Nationen einen gepflegten Fussballabend mit BBQ-Grill, Kickerturnier und natürlich einer Grossleinwand. Es ist immer wieder schön für mich zu sehen, dass der Gedanke einer “grossen Familie” immer noch gelebt wird. Natürlich wird gestichelt und es geschieht ein kleiner verbaler Kampf der Nationen, doch zu jedem Augenblick spürt man, dass man sich unter Freunden befindet. Gemeinsam wurde gefeiert, die Daumen für die eine oder andere Mannschaft gedrückt, gewitzelt und viel diskutiert. Ich entdeckte neue Facetten an Kollegen, welche ich schon seit Jahren kenne und mir trotzdem bisher irgendwie fremd blieben.
Wenn ich der Euro 2008 wirklich was abgewinnen kann, dann ist es die verbindende Eigenschaft zwischen den Nationen, zwischen uns Menschen. Nie zuvor habe ich derart viele Fussballspiele am TV miterlebt und mich mit Mitmenschen jeglichen Couleurs über das Gesehene, Gefühlte und Mitgefieberte ausgetauscht.
Ich finde es jetzt schon schade, dass dieser tolle Anlass bereits am Sonntag zu Ende geht. Und ebenso wehmütig beginne ich auf diese Zeit des gemeinsamen Wetteiferns, Hoffens und Trauerns zurückzublicken… und freue mich auf die WM in zwei Jahren.
Alle Jahre wieder zieht es meine Arbeitskollegen und mich nach Leipzig – natürlich aus rein geschäftlichen Gründen. :-) Gerade eben haben wir uns zum Auftakt im Maredo Steakhouse versammelt… und nachher gehts zum ersten Caipirinha über. Schliesslich wollen wir den Erwartungen unserer deutschen Kollegen Rechnung tragen und die in den letzten Jahren eisern erarbeiteten Vorurteile ausdrücklich bestätigen.
Was gebietet sich bei Präsentationen und Meetings? Richtig, Deine volle Aufmerksamkeit. Trotzdem unterliegt man immer wieder der Versuchung und versucht, sich heimlich und unauffällig anderen Tätigkeiten als dem Zuhören zu widmen. Da wird unter dem Tisch wild auf dem Handy rumgetippt und übt sich in feinster SMS-Prosa, andere kritzeln wilde Cartoons und ein weiterer Arbeitskollege versucht unentdeckt auf dem Notebook zu arbeiten… deutlich zu erkennen am seltsamen Stellwinkel des Displays. :-)
Vier Jahre ist es bereits her, seit ich zu sehr später (oder eher früher) Stunde mit meiner Arbeitskollegin Jasi und dem Spieleentwickler Joergen durch die Leipziger Innenstadt schlenderte. Mit reichlich Festlaune – die Auswirkungen der langen Abende nach der Games Convention sind eindeutig – blieben wir vor einer Baustelle stehen, wo ein grosses farbiges Plakat und zuwinkte: «Shakespeares sämtliche Werke, leicht gekürzt (90 Minuten)». Wir standen da, staunten, rechneten und obwohl wir nicht im geringsten alle Werke Shakespeares kannten, waren wir uns sicher, dass eine Aufführung sämtlicher Werke bestimmt Dutzende von Stunden in gedauert hätte. «Leicht» gekürzt… wir konnten uns fast nicht mehr halten, lachten und philosophierten. Seither ist dies unser Running Gag, der jedes Zusammentreffen stetes wieder begleitete und wir trauerten dem Abend nach und fragten uns stets, wieso wir dieses Plakat nicht von der Wand gerissen und als Andenken aufbewahrt haben.
Heute mittag entdeckte ich dann im St. Galler Tagblatt eine kleine Anzeige des Theater St. Gallen. Und als ich dieses las, kroch ein spontanes Lachen durch meinen Körper. Schnell geknippst und Jasi gemailt. Und jetzt will ich mal schauen, ob ich davon gar ein Plakat besorgen kann.
Ach ja, man wird auch älter und weiser… und inzwischen weiss ich natürlich auch, dass dieses Bühnenstück seit 1987 weltweit äusserst erfolgreich aufgeführt wird.
Auf die Gefahr hin, dass bezüglich unserer Arbeitsmoral ein falsches Bild entstehen könnte – man erinnere sich an meinen gestrigen Beitrag, muss ich erneut einen herzlichen Dank aussprechen. Unser heutiges Meeting wurde nämlich von einer erfreulichen Überraschung “überschattet”: Manuela verköstigte uns mit Speis’ und Trank anlässlich ihres morgen stattfindenden Geburtstages. Und gleichzeitig kehrt die Wehmut ein… der nächste Geburtstag eines Schweizer Arbeitskollegen findet erst nächstes Jahr statt. :-)
Apropos weit voraus planen: Heute abend unterrichtete ich Dreamweaver im BZ Wil… bei der Verabschiedung konnte ich meiner Klasse bereits frohe Weihnachten, «en guete Rutsch» und schöne Sportferien wünschen. Ich werde sie erst im April wiedersehen… ein seltsames Gefühl Mitte November. :-)
Leute! Nehmt Euch ein Vorbild an meinem Arbeitskollegen Roli!
Gestern feierte er seinen Geburtstag und überraschte unser Team mit einem üppigen «Zmorge» im Büro: Frische Brötchen, Käse- und Fleischplatte, Butter und Konfitüre, selbst frische Früchte fehlten nicht.
Ein herzliches Dankeschön sei an dieser Stelle ausgesprochen!
Schade, dass ich nur wenig Zeit hatte und gleich an ein Meeting rennen musste.
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