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Goldach–Rapallo, eine unerwartete 11h Reise mit fünf Autos, einer Bahn und Happyend
9Wir sitzen an der Riviera, kurzärmlig, morgens um halb Eins, schlürfen an zwei Drinks, geniessen frische Bruschettas. Ein Sänger unterhält die Gäste und wir wagen auch das eine oder andere Tänzchen unter freiem Himmel. Es geht uns gut, wir geniessen den Moment und schauen auf unseren ereignisreichen Tag zurück…
Es ist Sonntag, elf Uhr morgens. Wir waren von unserer «Tour de Suisse» zurückgekehrt, haben frische Wäsche gepackt und uns für die bevorstehende Ferienwoche zu Zweit gerüstet. Mit grosser Vorfreude fahren wir los, haben das Ziel «Toskana» vor Augen. Nach 10 Minuten Fahrt kehren wir um… die Ausweispapiere liegen noch zu Hause. Also zurück auf Null und Neustart. :-)
Der Verkehr auf der A13 läuft ruhig, wir kommen vorwärts und schon bald nähern wir uns Sargans. Dort erwartet uns eine grosse Baustelle, entsprechend ungewohnt die Verkehrsführung, die Einfahrt vom Rheintal in die Autobahn nach Chur erschwert. Dann passiert es… Einspuren: Beschleunigungsspur, Auto vor mir, Blick nach links, auch Autos da, Blick nach vorn, immer noch keine freie Fahrt. Erneuter Blick nach links, gut, Lücke entdeckt, noch ein Kontrollblick nach links … dann der Blick nach vorn, zeitgleich mit Gabis «Breeeeems!» sehe ich die Bremslichter, Vollbremsung, das ABS stottert, dann ein lauter Knall, die Airbags springen uns entgegen. Das Auto steht, um uns dichter Rauch, uns gehts gut…
Schnell verliessen wir den Wagen, brachten uns weg von der Fahrbahn in Sicherheit. Während der «vor uns Fahrer» das Pannendreieck aufstellte, rief ich die Polizei. Nach wenigen Minuten war sie schon zur Stelle, sicherte die Unfallstelle und machte sich ein erstes Bild.
Unser Auto war, auch wenn es optisch nicht arg beschädigt aussah, nicht mehr fahrtüchtig, musste abgeschleppt werden. Das Paar vor uns, dessen Autoheck mit meiner Front sich liebkoste, fuhr dann mit uns im Gepäck zum Autobahnpolizei-Posten.
Man ist sich selbst nicht mehr sicher…
Ach wieviele Krimis habe ich schon gesehen, wieviele Male habe ich den Kopf geschüttelt, als die mutmasslichen Täter sich bei der Befragung komisch verhalten haben, sich in Widersprüche verstrickten und sich an offensichtliche Details nicht mehr erinnerten. Jetzt werde ich befragt, zu Beginn wurden mir meine Rechte vorgelesen. Eine seltsame Erfahrung…
Fragen über Fragen. Immer wieder bemerke ich, an wieviele Details man sich nur vage erinnert. «Welche Geschwindigkeit war signalisiert?» Hmmm… sowas sieht man beim Fahren, setzt die Weisung unbewusst um und vergisst die Tafel doch gleich wieder. Ich kann nur Vermutungen anstellen, aufs Bauchgefühl hören nd die Logik walten lassen. «Welchen Abstand hatte des Fahrzeug vor Ihnen?» Naja, am Schluss wohl Null, doch vorher? Ich bin kein Drängler und dennoch bin ich mir bewusst, dass der Abstand zu gering gewesen sein musste. Im Flur bat mich der Polizist den Abstand zu schätzen. Die Enge des Ganges… wir kamen auf einen Wert. Beim zweiten Anlauf, als wir wieder durch die Unfallstelle fuhren, beachtete ich die ganzen Details bewusst, erkannte, dass meine Schätzungen, was Abstand und Geschwindigkeit anbelangten, nicht stimmen konnten. Doch im Moment der Befragung scheint man überfordert, obwohl man ehrlich und aufrichtig sein möchte, ist man nicht in der Lage, jede Fragestellung mit wirklicher Bestimmtheit zu beantworten.
Ich schaue auf die Uhr, 14.38… ich Unterzeichne das Befragungsprotokoll und frage den (sehr freundlichen) Polizisten, ob wir zum Bahnhof gebracht werden könnten, denn in gerade mal neun Minuten fährt der Zug nach Rorschach. Kurz darauf wurden wir in Polizeibegleitung in letzter Sekunde – der Zug stand bereits zur Abfahrt bereit – direkt ans Gleis Sechs gefahren. Der Polizist avancierte gar zum Kofferträger, sprach noch kurz mit dem Kondukteur und informierte ihn, dass wir noch keine Billete lösen konnten. Wow, Top-Service!
Ein Kondukteur, ein iPhone und die Billete
Wir sassen nun da, seit langem wieder einmal in einem Zug und warteten auf den Kondukteur. Kaum war er da, entdeckte er mein iPhone in der Brusttasche. Ich solle doch damit mein Zugticket lösen, meinte er. Auf meinen Einwand, dass ich doch schon im Zug sässe und damit der mögliche Zeitpunkt bereits vorüber ist, entgegnete er mir, das sei schon in Ordnung. Wenn ich die Tickets bei ihm lösen würde, käme mich das teurer zu stehen, da er keine Ostwind-Tickets ausstellen könne und dazu einen Zuschlag verlangen müsse. Oh, freundlich!
In Rorschach wurden wir bereits von unserem lieben Nachbarn Max erwartet. Er fuhr uns mit allem Gepäck nach Hause, wo wir dieses in Gabis Auto luden, uns noch kurz erfrischten und kurze Zeit später den zweiten Versuch Richtung Süden wagten.
Zeit für Dankbarkeit
Nicht nur, als wir unsere Unfallstelle erneut passierten, wurde uns bewusst, welch Glück wir hatten. Niemand wurde ernsthaft verletzt, ich trug lediglich leichte Schürfungen und Verbrennungen (von der Wucht des Airbags verursacht) davon, Gabi einige blaue Flecken vom Gurtstraffer, aber insgesamt verlief der Unfall glimpflich ab.
Immer wieder schossen uns die Sekunden des Unfalls durch unsere Köpfe, aber auch, mit welcher Herzlichkeit die beteiligten Leute wie Mitverunfallte, Polizisten, Kondukteure und Nachbarn uns entgegneten. Und trotz allem (Blech-)Schaden sind wir mehr als dankbar, dass wir gesund geblieben sind…
So gelangten wir zu später Stunde ohne weitere Vorfälle an unser Ziel «Rapallo». Herrliche, sommerlichte Temperaturen begrüssten uns, unzählige Menschen flanierten am Ufer entlang, bevölkerten die zahlreichen Lokale in der schön beleuchteten Stadt direkt am Meer.
Als wir aus unserem Hotelzimmer auf den Balkon traten, waren wir ob der traumhaften Aussicht erschlagen… direkt neben dem «Castillo di rapallo» gelegen, Sicht in die ganze Meeresbucht… ein Traum, ein perfektes Happyend.
Noch zwei Details…
Italien und Fernseher, ein untrennbares Gespann. So wunderten wir uns auch nur mässig, als wir im Hotelzimmer feststellten, dass mit dem Licht auch stets der Fernseher eingeschaltet wird.
Die Bahnfahrt nach Hause zeigte uns zudem, wie fortschrittlich die SBB inzwischen zu sein scheint. In jedem Sitzbank findet sich eine Steckdose… einmal für Schweizer Stecker, einmal für Schukostecker. Was will man als Pendler denn mehr…











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