Beiträge mit tag "Philosophie

Das Smalltalk-Paradoxon

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Heute war ich mal wieder beim Zahnarzt zur alljährlichen Vorsorge und DH-Untersuchung. Als ich dann so auf dem Liegestuhl mit aufgespreiztem Mund da lag und mich die Dentalhygienikerin irgendwas fragte, machte ich das einzige was ich konnte: Ich antwortet «Chmmmpfmmoom»… Sie schien mich zu verstehen ;-)

In der Folge entdeckte ich dieses Paradoxon:

Warum muss ich mit beim Coiffeur stets mit einer mir fremden Person über das aktuelle Wetter und meinen Urlaub sprechen, möchte dies aber eigentlich nicht, beim Zahnarzt hingegen wünsche ich mir, dass ich mit dem Instrumenten-schwingenden Menschen vor mir sprechen könnte?

Ich werds wohl nie erfahren…

Profis, Spezialisten und andere Superlativen

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Seit Jahren stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich Leute sich selbst als “Profi” oder “Spezialisten” bezeichnen höre. Irgendwie wirken solche Etiketten auf mich überheblich und selbstverliebt. Ich bin überzeugt, dass man – wenn man gut in seiner Sache ist – darauf verzichten kann.

Das Wort “Professionalität” bedeutet eigentlich nur, dass man mit einer Tätigkeit sein Geld verdient. Man erwartet, dass die Qualität höher ist als von einem Amateur. Doch die Erfahrung zeigt, dass dies nicht zwingend so ist. In vielen Fällen sind die Ergebnisse von “Amateuren” die ihre Freude, Herzblut und Leidenschaft einbringen die besseren Resultate liefern als gestandene, aber gelangweilte Berufsleute, welche ihre Schaufenster mit Slogans wie “Seit 150 Jahren im Geschäft” beschriften.

Doch immer wieder begegne ich Menschen, welche mit Superlativen versuchen, sich über andere zu stellen, sich hervorzuheben… bewusst oder unbewusst, ich weiss es nicht.

In der Fotografie bin ich Quereinsteiger, habe mich vom Anfänger zum leidenschaftlichen Amateur entwickelt, mich danach stets weitergebildet, viele Erfahrungen gesammelt und bestreite heute einen Teil meines Einkommens mit der Fotografie. Trotzdem mag ich mich nicht als Profi bezeichnen.

Ich weiss, woher ich komme und habe meine Ziele, wo ich mich hin bewege. Keinen Augenblick vergesse ich, dass ich bei Null und Nichts begonnen habe. Jeder, ausnahmslos jede noch so grosse Koryphäe auf seinem Gebiet, hat als Laie und Anfänger gestartet. So verwundert es mich immer wieder, wie einige Berufskollegen über Quereinsteiger und Nachwuchs wettern, deren jegliche Qualifikation absprechen und eben – sich selbst bei jeder Gelegenheit als “Profi” hervorheben.

Vielleicht ist es Charaktersache, wahrscheinlich aber auch nur eine grosse Portion Selbstzweifel, Unsicherheit und Angst vor Konkurenz…

Ich stehe mit dieser Meinung nicht alleine da. Martin Gommel von Kwerfeldein hat hierzu einen perfekten Beitrag geschrieben, den ich genau so und unverändert unterschreiben könnte:

Und… der Martin hat mich damit zu diesem Artikel inspiriert… (Eigentlich wollte ich nur zu seinem Beitrag verlinken, doch kaum begann ich zu tippen, begann meine Seele zu sprechen… :-)

Über Facebook und Freunde finden im “normalen” Leben…

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Inzwischen läuft mein Facebook-Account wieder und ich darf wieder an dieser eigenartig faszinierenden Community teilhaben. Obwohl sich mir der wirkliche Nutzen bislang nicht erschliesst, spüre ich, dass dieses System durchaus seinen Reiz hat. Eine neue Form der Kommunikation, bei der es nicht darum geht, sich lange und ausführlich zu unterhalten, sondern einfach mal schnell kurze Gedanken in die Runde zu schmeissen, bzw. zu lesen, was die Kollegen gerade so tun, denken, fühlen. Die Interaktion besteht darin, auf diese an die virtuelle Pinwand genagelten Gedanken mittels ebenso kurzen Kommentaren zu reagieren. Es entsteht was neues, ungewohntes, selbst für mich als Technik-Geek.

“Freunde” findet man in Facebook durch die Suchfunktion. Es ist spannend, seine ganze Vergangenheit aufzurollen und nach längst vergessen gegangenen Namen zu forschen, Leute wiederzuentdecken, zu welchen man längst keinen Bezug mehr hat. Die Hemmschwelle ist gering, eine Verpflichtung gegenüber den “alten Bekannten” ergibt sich nicht, doch man nimmt Teil am Leben der anderen… oder zumindestens an dem Teil des Lebens, welcher per Text und Foto erzählt wird.

Man stöbert in den Freundeslisten der eigenen Freunde, entdeckt so weitere gemeinsame Bekannte, fügt sie mit einem Klick der eigenen Freundesliste hinzu. Und so wächst die Liste, von Tag zu Tag. Dank der iPhone-Applikation von Facebook wird die Community mobil. Jederzeit kann man eine Notiz über den erlebten Augenblick veröffentlichen, ein Foto mit anderen “Freunden” teilen. Es entsteht eine Illusion einer riesigen Gemeinschaft von Freunden, in der Realität spricht man wohl eher von vielen Bekannten. Doch das schmälert den Reiz irgendwie nicht…

Und dann erlebe ich, in meinen Gedanken diesen Artikel vorbereitend, ein schönes Zusammentreffen in der Realität. Ich bin bei einem Kunden um einige Mitarbeiterfotos anzufertigen. Die Chemie stimmt, die Stimmung ist locker, aber professionell. Schon nach wenigen Minuten erfahre ich, dass mein Auftraggeber fast ein Nachbar ist und auch meine Partnerin kennt. Etwas später werde ich von einem anderen Mitarbeiter wiedererkannt. Vor zig Jahren, an meiner vorletzten Arbeitsstelle, hatten wir schonmal flüchtig miteinander zu tun.

Dieses Gefühl des “man kennt sich” finde ich persönlich ein sehr angenehmes. Und so beginne ich meine vorher begonnenen Gedanken weiterzuspinnen und stelle fest, dass Facebook wohl genau auf dieses Gefühl abzielt. Man kennt sich – keiner will alleine sein, keiner will unerkannt bleiben. Und ich glaube nun zu verstehen, wo die Faszination von Facebook beginnt und versuche nun zu entdecken, wo sie hinführt…

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